Kurzbeschreibung – Eine der größten Herausforderungen für Kleinstädte und Gemeinden ist die Bereitstellung von attraktiven Mobilitätsangeboten. Im ländlichen Raum wird der ÖPNV grundsätzlich als Schülerbeförderung begriffen. Für den Arbeitsweg oder alltägliche Erledigungen bietet das Netz in der Regel weder attraktive Fahrzeiten noch zu einem Arbeitsalltag passende Abfahrts- und Ankunftszeiten. Die Stadt Zwönitz sucht im Rahmen dieses Projektes nach innovativen Lösungen und Synergieeffekten, die hier Abhilfe schaffen und das Mobilitätsangebot erweitern können.
Im Rahmen dieser Machbarkeitsstudie soll geprüft werden, ob das smarte Verkehrsökosystem „ERZmobil“ in ein nachhaltiges Betriebskonzept für einen zuschussarmen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im ländlichen Raum abseits bzw. in Ergänzung der gut frequentierten Linien weiterentwickelt werden kann. Dabei soll der bisherige Linienbedarfsverkehr mit weiteren Verkehrsformen wie Werksverkehr, freigestellter Schülerverkehr und touristischer Verkehr per Gästekarte kombiniert werden, um die Wirtschaftlichkeit des Fahrbetriebes zu verbessern und Angebotslücken im ländlichen Raum zu schließen. Jede dieser vier Verkehrsformen hat eine andere eigenständige Rechtsgrundlage. Im Rahmen der Studie werden die rechtlichen Belange und verkehrlichen Wirkungen durch die Kombination dieser Betriebsmodelle untersucht.
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Projektlaufzeit:
01.02.2025 bis 31.08.2025
Projektleitung:
Stadt Zwönitz
Herr Prof. Dr. Christoph Laroque (an WHZ)
Anwender: Stadt Zwönitz, Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS), Zweckverband Verkehrsbund Mittelsachsen (ZVMS), Vollmann Gruppe, Landratsamt Erzgebirgskreis
In der Praxis spielen diese Verkehrsformen im Erzgebirgskreis genauso wie in anderen ländlichen Regionen Deutschlands bisher kaum eine Rolle, da bei nur wenigen gleichzeitig zu befördernden Fahrgästen der erhöhte Zuschussbedarf nicht finanzierbar ist. Nur durch eine automatisiert dispatchte Verknüpfung dieser Verkehrsformen kann es gelingen, den Zuschussbedarf je Fahrkilometer auf ein marktfähiges Niveau zu bringen. Die bisher im ÖPNV im Erzgebirgskreis hauptsächlich verwendeten Kraftomnibusse (12-Meter-Klasse) haben im Jahr 2024 einen Zuschussbedarf von 1,67 Euro je Fahrkilometer. Der Haushaltsplan weist für 2026 einen Zuschuss von bereits 1,87 Euro je Fahrkilometer aus, Tendenz weiter steigend. Die Studie konzentriert sich vornehmlich auf den Einsatz von Kleinbussen (8 Fahrgäste und ein Fahrer), in speziellen Bedarfsfällen auf Busse der Sprinterklasse (< 8 Meter) mit jeweils ca. 15 Sitz- und Stehplätzen. Durch die Skalierung und Kombination mehrerer Verkehrsformen in engem zeitlichem Zusammenhang (teilweise mit kurzzeitigen Überschneidungen) soll der Zuschussbedarf gegenüber dem herkömmlichen ÖPNV im neuen Betriebskonzept gesenkt werden, bei gleichzeitig wesentlich höherer Flächenabdeckung. Da der konventionelle Schülerverkehr (75% der Gesamttransportleistung im ÖPNV des Erzgebirgskreises) beim gesetzlich zuständigen Aufgabenträger verbleibt, ist für das vorgesehene Verkehrsökosystem der Einsatz von Kleinbussen wesentlich effizienter. Die Studie untersucht nach wissenschaftlichen Grundsätzen den Einsatz kleiner und mittelgroßer, automatisiert dispatchter Busse im On-Demand-Bereich des ÖPNVs und trifft im Ergebnis Aussagen über im Realbetrieb zu erwartende Kosten und Erträge. Die Entwicklung eines automatisierten Fahrzeugmanagements ist für einen effektiven Ressourceneinsatz unabdingbar. Erst durch die Kombination der Technologien kann die Einführung eines attraktiven, bezahlbaren und umweltfreundlichen 24-Stunden-, von Haus zu Haus Busshuttle-Services auch im ländlichen Raum angeboten werden.
Als Untersuchungsraum ist das Bediengebiet des „ERZmobils“ der Stadt Zwönitz hervorragend geeignet. Die erzgebirgische Kleinstadt stellt eine typische und im statistischen Mittel äußerst repräsentative Kleinstadt an der Schwelle vom ländlichen zum verdichteten Raum dar:
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Stadt Zwönitz (2022) |
Durchschnitt aller Kleinstädte (2019) |
Einwohnerzahl |
11.859 |
11.477 |
Landesfläche |
64,2 km2 |
78,1 km2 |
Siedlungs- und Verkehrsfläche |
7,4 km2 (11,5%) |
9,9 km2 (12,7%) |
Arbeitsplätze |
3.600 |
3.621 |
Gewerbesteuer- Einnahmen |
4,4 Mio. € |
4,8 Mio. € |
Zwönitz ist somit stereotypischer Repräsentant für die Herausforderungen zur Schaffung gleichwertiger Lebensbedingungen zwischen ländlichem und urbanem Raum.
Die Inhalte der Forschungsgruppe Industry Analytics unter Professor Laroque konzentrieren sich im Projekt Ralamos auf die Analyse und Identifikation von Potentialen rund um Mobilitätskonzepte im peripheren Raum, durch die eine effiziente und möglichst kostenneutrale Aufwertung der Mobilitätsangebote erfolgen kann.
Weiterhin steht die wissenschaftliche Begleitung des Gesamtprojektes, sowie die Evaluation und Analyse der unterschiedlichen Stakeholder und deren unmittelbare Interessen, seien es Firmen, Institutionen oder die zukünftigen Nutzer der Angebote im Zentrum unserer Tätigkeit.
Ansprechpartner

Christoph Laroque
Projektleiter an der WHZ
